Orgelprojekt Setzeranlage

Neues Orgelprojekt –
Eine Setzeranlage für die Weigle-Orgel

01.09.2020 von Tord Siemen
In den vergangenen Jahren konnten wir unsere Weigle-Orgel neben den notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen immer ein wenig verbessern und klanglich bereichern.
Zum 175. Kirchenjubiläum, nach der großen Kirchensanierung, im November 2007 erklang unser Zimbelstern zum ersten Mal. 
Im Jahre 2009 wurde unsere Orgel klanglich dadurch verbessert, dass einige Register neu intoniert wurden. Die Orgel ist nun besser auf den Kirchraum abgestimmt und weist einen neuen weichen Klangcharakter auf.
Letztes Jahr zu Weihnachten wurde der Hauptwerkstremulant eingeweiht. Er lässt die Orgelklänge leicht schwebend (Tremoloeffekt) erklingen. Damit ist unsere „Königin der Instrumente“ schon recht gut aufgestellt und all diese Maßnahmen wurden allein durch Spenden und Konzerteinnahmen finanziert.
Und es lohnt sich! Denn die Orgel erklingt zu vielen Gottesdiensten, Andachten, Taufen, Trauungen, Beerdigungen und Konzerten.

So funktioniert die Orgel

Jedoch gibt es immer noch einen Punkt, der für unsere Orgel zu wünschen ist, um wirklich zukunftsfähig und für jeden Organisten gut spielbar zu sein. Und das ist eine sogenannte Setzeranlage.

Aber was ist das eigentlich?
An dieser stelle muss ich Sie etwas in die Orgelbaukunde entführen…

Eine mechanische Orgel funktioniert im Großen und Ganzen seit Jahrhunderten nach ein und demselben Prinzip. Abgesehen vom modernen elektrischen Orgelmotor, der die Orgel mit Wind versorgt,
wird jeder Ton durch menschliche Muskelkraft erzeugt. Der Organist betätigt die Taste und diese Druckbewegung wird über dünne Holzleisten (Abstrakten) und kleine Winkel bis zum Herzstück, der sogenannten Windlade weitergegeben.
Dort befindet sich ein Ventil, das geöffnet wird, sodass der Wind in die Orgelpfeifen gelangen kann. Nun erklingt der Ton.

Allerdings ist es so, dass es bei einer Orgel verschiedene Klänge gibt.
Auf jedem „Ton“ stehen verschiedene Register (Pfeifenreihen). Und spätestens jetzt wird es kompliziert…

Hier gibt es nämlich die sogenannte „Schleife“, welche den Orgelwind zu den verschiedenen Klangfarben (Registern) gelangen lässt.  
In diesem kurzen Video wird das Funktionsprinzip der Orgel ganz gut erklärt:

Jedenfalls sind für den Organisten neben den Tasten, die er bedient, die Registerzüge sehr wichtig.
Mit den Registerzügen wählt der Organist die verschiedenen Klangfarben.
Jedoch kann er alleine während des Spiels nur eine sehr geringe Klangveränderung vornehmen. Er kann wohl ein/zwei Register ab – oder zuschalten. Eine Klangveränderung zum Beispiel von sehr leise auf ganz laut wird ihm kaum gelingen.
Dafür braucht er je nach Größe der Orgel ein oder zwei Assistenten, die sogenannten Registranten. Sie erfüllen die Aufgabe, immer zur rechten Zeit den erwünschten Klang an der Orgel einstellen, während der Organist spielt.
Zu den Orgelkonzerten bei uns in Krempe, ist es auch so, dass ein Registrant assistiert, damit die Orgel möglichst dynamisch erklingt und die vielfältigsten Klangfarben dargestellt werden können.

Der Computer in der Orgel

Im Gottesdienst jedoch ist der Organist in der Regel auf sich alleine gestellt.
Und hier kann die Aufgabe des Registranten von einer Setzeranlage übernommen werden.
Eine Setzeranlage ist nichts anderes, als moderne Computertechnik.
Der Organist bekommt durch sie die Möglichkeit, alle erdenklichen Klangfarben vor dem Gottesdienst oder einem Konzert abzuspeichern.
Während des Orgelspiels ruft er dann die verschiedensten Klänge mit nur jeweils einem Knopfdruck ab. 

 

Die Vorteile
  • Punktgenaue Wechsel der Klänge ohne Verzögerung.
  • Ein Wechsel beispielsweise von sehr leise (Pianissimo) auf sehr laut (Tutti) ist nun mit einem Mal kein Problem mehr.
  • Die Melodie eines Kirchenliedes mal im Sopran, dann im Tenor oder in den tiefen Stimmen, dem Pedal, erklingen zu lassen, ist jetzt auf Knopfdruck möglich.
  • Der Wechsel vom Spiel auf einem Manual zum sogenannten „triomäßigen Spiel“ (hervorgehobene Melodie auf einem Manual, Begleitstimmen auf einem anderen Manual und Bassstimme im Pedal) ist nun ebenfalls leicht möglich.
  • Die Registrierungen wiederholt gespielter Orgelliteratur befinden sich bereits im Speicher. Es muss nicht neu einregistriert werden. Zeitersparnis!
  • Der Organist konzentriert sich auf das Spiel, und muss nicht während des Spiels darüber nachdenken, wie er die nächste Klangveränderung herbei führt.

Die klangliche Vielfalt ist es, die ein Konzert oder einen Gottesdienst besonders schön erlebbar machen. 
Dieses sind nur einige der Möglichkeiten, die eine Setzeranlage in einer Orgel bietet.
Ich hoffe, sie konnten diesem doch etwas fachlichen Artikel folgen.

Eine Setzeranlage wird heutzutage jedenfalls an den meisten neuen Instrumenten eingebaut.
Sie ist ein Quantensprung in der Orgelmusik.

In unserer Region sind die Orgeln von Itzehoe und Wilster bereits mit einer Setzeranlage nachgerüstet worden. Der Orgelneubau in Glückstadt beinhaltete ebenfalls eine Setzeranlage.

So sieht’s aus
Der Spieltisch der Kremper Weigle-Orgel im derzeitigen Zustand mit  den herkömmlichen Registerzügen
Eine Fotomontage mit Setzeranlage, wie sie später einmal aussehen könnte. 
Der Preis

Auch wenn der Einbau dieser Technik in unsere Orgel mit gut 22.000 € nicht ganz billig ist, hat sich unser Kirchengemeinderat doch dafür ausgesprochen.
10 Jahre wurden für dieses Projekt anberaumt. Aber schauen wir mal… vielleicht schaffen wir es ja auch schneller.

Wenn auch Sie unser neues Orgelprojekt unterstützen möchten,
so spenden Sie gerne auf folgendes Konto:

Konto der Kirchengemeinde Krempe:
Sparkasse Westholstein
IBAN: DE 73 2225 0020 0020 0039 52
BIC: NOLADE21WHO
Stichwort: „Setzeranlage Orgel“